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Windows 95

Die erste Windows-Installation
Meine schönsten Erfahrungen mit Windows95
Anmerkung:
Gilt sicherlich auch für Windows 98.
Ich wollte es nur noch nicht ausprobieren...

Ein Erlebnisbericht
Dieses Multifunktionsdokument soll ALLEN Menschen etwas darstellen...
... jenen, die Windows95 auf ihren Computern demnächst installieren wollen, soll es eine WARNUNG sein ...
... jenen, die Windows95 schon auf ihren Computern installiert haben, soll es Trost schenken ...
... jenen, die Windows95 niemals auf ihren Computern installieren würden, soll es Genugtuung geben ...

Eines schönen Samstags...

Ich bin sooooo glücklich, eine der ersten verfügbaren Beta-Versionen von Win95 in der Tasche zu haben und mache mich sogleich daran, meinen Super-Heim-PC(PC=PowerComputer) damit auszurüsten. Zum Glück habe ich bereits WFW 3.11 perfekt installiert. Kaffee hatte ich schon vorab reichlich aufgesetzt - also steht der Installation nichts mehr im Wege. Ich lege die Win95-CD siegessicher in mein CD-Laufwerk ein und starte das Setup-Programm.
"Setup wird vorbereitet"

Diese Mitteilung interessiert mich wahnsinnig, allerdings nervt mich nach der ersten Tasse Kaffee die Tatsache etwas, daß nach einer knappen Viertelstunde immer noch nichts weiter vorangegangen ist. Immer noch diese Meldung? Ist da was faul? Läuft der Rechner eigentlich noch?

Ich warte noch einige Minuten, gehe mal eben Telefonieren, mal aufs Klo, spiele eine Runde Klavier - und siehe da, der Bildschirm wird auf einmal schön schwarz und eine neue Mitteilung erscheint. "Der Computer wird einer Routineprüfung unterzogen..." Ich tappe auf ENTER, um "Weiter"zukommen und warte, warte, warte, warte, warte... Die Harddisk arbeitet währenddessen um ihr Leben.
Einige Zeit später - ich hatte die erste Kaffekanne mittlerweile geleert und neuen Kaffee aufgesetzt - taucht ein nettes Hintergrundbild auf, ganz toll gestylt, eine geschwungene Tastatur darstellend... Das ist wohl das neue Logo? Ein wenig habe ich den Verdacht, daß mein PowerCoputer die ganze Zeit wohl damit verbracht hatte, auf der Platte umherzuswappen, um genug Speicher für sich selbst und für das tolle Hintergrundbild freizugraben... Eine durchaus sinnvolle Tätigkeit für ein Setup-Programm, oder?

Naja - vielleicht hätte ich doch nicht all den Versprechungen glauben sollen, daß Win95 mit nur 8MB RAM problemlos läuft...
Wenige Stunden später habe ich alle weiteren Fragen des Setup-Programms auf gut Glück mit Ja, Weiter oder sonstwie mit gezielten Mausklicks beantwortet. Der große Moment kommt - trommelnd kopiert das Setup-Programm die Windows95-Dateien auf meine Festplatte, und draußen wird es langsam dunkel.
Abwechselnd leuchten CD-ROM-LED und HDD-LED. Leises Fiepen des CD-Laufwerks und lautes Rappeln der Harddisk untermalen die endlose Nacht.

Gerade als ich meinen neuen Plan, CD-Laufwerk und Harddisk gegen moderne, schnelle Geräte auszutauschen, vollendet hatte, nähert sich der Ablauf-Balken den 100%. Setup hat meinen Computer getestet, die Dateien kopiert, alle Geräte korrekt erkannt und Windows95 installiert. Jetzt werde ich aufgefordert, den Rechner neu zu booten... Ich bin elektrisiert - gleich werde ich das neueste Windows95 zum erstenmal starten!

Mit einem historisch bedeutenden Klick auf "Computer neu starten" vollende ich die Installation und harre der Dinge...
Der Bildschirm schwärzt sich unvermittelt, bleibt schwarz, bleibt auch nach mehreren Minuten scharz. Keine Spur von Booten, nicht einmal das sonst übliche BIOS-Zeugs erscheint.
Ich klicke mit meinem rechten Zeigefinger knallhart auf die Reset-Taste meines Computers. Es meldet sich daraufhin das BIOS, danach wird der Bildschirm wieder schwarz und bleibt es bis in alle Ewigkeit.

Ein Verdacht drängt sich auf, bestätigt sich und führt zwingend zu Alpträumen in den folgenden Wochen...
Ich lösche alle Partitionen, formatiere die Festplatte neu, installiere MS-DOS neu und versuche gleich darauf mehrmals verzweifelt, den Treiber meines CD-Laufwerks neu zu installieren. Zum Glück habe ich die nötigen Treiberdisketten irgendwo noch einmal gefunden. Draußen wird es langsam wieder hell, als ich es geschafft habe, wieder auf das Setup-Programm auf der Windows95-CD zuzugreifen.

Während das Setup erneut die Win95-Dateien trommelnd auf meinen Computer kopiert (ich habe die Lautsprecher mittlerweile ausgesteckt), schlafe ich ein paar Stunden. Sowas hält ja sogar der hartgesottene Single nicht aus... Und tatsächlich - kurz nach dem zweiten historischen Mausklick auf "Computer neu starten" bootet mein PowerComputer mit dem neuen Windows95 als Betriebssystem...

Während des endlosen Bootens möchte ich gerne einen kleinen Patch programmieren, denn die Meldung "Konfigurationsdateien werden aktualisiert - Dieser Vorgang kann einige Minuten dauern" sollte meiner Meinung nach heißen: "Konfigurationsdateien werden bis morgen aktualisiert. Bitte geduldig einige Stunden warten". Ich überlege krampfhaft, wo ich nun am hellichten Sonntag Vormittag eine neue Packung Kaffee und eine neue, volle Schachtel Zigaretten herbekommen könnte.

Hätte ich etwa Windows95 doch nicht auf meinem betagten 80386/33 installieren, sondern zuerst einen neuen Pentium kaufen sollen?
Eine endlose Fragerei nach dem Postoffice-Verzeichnis, den MSN-Registerierungsdaten, und den Internet-Explorer-Einstellungen lenkt mich ab von meinen destruktiven Gedankengängen. Ich will auch kein Modem installieren, bloß um die Fragen zum Fax-Service, zur hartnäckigen Online-Registrierung und so weiter irgendwie beantworten zu können. Wären alle Fragen auf Spanisch gestellt worden, hätte ich genausoviel verstanden...

Ich will kein MSN, habe meine eigenen Vorstellungen von Internet und eMail - und setze mich gegen Windows95 und seine hundert Assistenten am Ende irgendwie durch. Ich weiß nicht mehr, was alles installiert worden ist - doch ich bin nunmehr sicher, daß Windows95 nun korrekt installiert ist und starte neu.

Posteingang, Aktenkoffer, Netzwerkumgebung - diese Symbole erscheinen bald darauf auf meiner neuesten Arbeitsoberfläche. Ich frage mich, ob ich jetzt wirklich ein Netzwerk, ein Postoffice und einen neuen Aktenkoffer erhalten habe. Doch ich bin mir sicher, daß auf meinem Computer kein Netzwerk installiert ist, daß meine Firma kein Postoffice hat und daß ich nirgendwo einen neuen Aktenkoffer finden kann. Trotzdem bin ich für die dafür erzeugten Symbole dankbar.

"Verdoppeln Sie Ihren Festplatten-Speicherplatz!" - dies möchte ich gerne tun. Flott klicke ich mich zur Installation der brandneuen Version des altbekannten DoubleSpace-Treibers durch. Schnell habe ich einen schwarzen Bildschirm, lösche alle Partitionen, installiere in antrainierter Rekordzeit DOS, CD-ROM-Laufwerk und Windows und boote neu.

640*480 Pixels Bildschirmauflösung erscheinen mit etwas wenig für meinen 20"-Bildschirm. Ich lote die Möglichkeiten aus, irgendwo irgendwelche Einstellungen in der neuen Systemsteuerung zu ändern, und teste dabei meine Fähigkeiten, in fremden Betriebssystem-Umgebungen erfolgreich neue fremde Einstellungen auszuprobieren. Immerhin erblicke ich alsbald die Meldung "Bildschirm ist nicht konfiguriert. Möchten Sie jetzt einen neuen Bildschirmtyp auswählen?" - und mutig wähle ich meinen neuen Bildschirmtyp aus. Ich finde zwar meinen passenden Typ nicht, wähle also folglich einen ähnlichen Typ aus.
Flugs schwärzt sich mein Bildschirm.

Ich bin sofort geheilt von dem Gedanken, meine ehemalige Bildschirm-Auflösung wiederherzustellen. Ich beschließe, später hoffnungsvoll im Internet nach Win95-Treibern für meine teure, gute alte Grafikkarte zu suchen und belasse die Einstellung auf 640*480 Pixels. Zum Glück muß ich Windows95 nicht völlig neu installieren, um diesen Fehlversuch zu korrigieren. Denn der Montag naht...

Guten Willens und recht erfolgssicher gehe ich an das Projekt, meine bisher verwendete Software neu zu installieren. Leider meldet das Setup-Programmm von Word alsbald eine Speicher-Schutzverletzung. Dennoch hängt sich das Win95-Betriebssystem dabei nicht völig auf. Vorerst bin ich begeistert, daß ich sogar nach einer Schutzverletzung problemlos mit Win95 weiterarbeiten kann. Doch dann erinnere ich mich daran, daß ich ohne Word eigentlich keine Briefe mehr schreiben kann. Ich versuche die Installation von Word erneut.

Nach wenigen Schutzverletzungen, die ich allesamt ignorieren ließ, kann ich Word dennoch installieren. Wieso meldet Win95 Schutzverletzungen, wenn es dann doch geht??? Trotzdem bin ich froh. Ich schreibe, klicke, teste - alles funktioniert. Winni 95 meint es gut mit mir! Das mit den Schutzverletzungen gerade eben - daran war sicherlich nur der allzurasch dahingeschrumpfte freie Restplatz auf meiner plötzlich zu klein gewordenen Festplatte schuld.

Kurz innehaltend rätsle ich insgeheim herum, wieso man heutzutage eigentlich eine GigaByte-Festplatte haben muß, um eine grafische Oberfläche, die mit der Maus bedienbar ist, sprich Windows zu installieren? Meinen C64 konnte ich auch mit der Maus bedienen - unter GEOS war da auch mit nur 64KB RAM alles ganz nett... Übrigens hatte ich auch damals - ganz ohne Festplatte - schon Farben. Schwarz, Weiß, Grün, Blau, Gelb, Rot, Braun, Violett - 16 an der Zahl. Genau wie jetzt, denn mehr als 16 Farben will Winnie mit meiner guten, alten Spezialgrafikkarte nicht darstellen.
Beim Versuch, meinen ersten Win95-Brief auszudrucken, fällt mir auf, daß mein Drucker nicht vorhanden ist. Klar, denke ich - der Drucker muß natürlich zuerst installiert werden. So wie immer.

Leider finde ich meinen Drucker nicht, als ich versuche, einen "Neuen Drucker" zu installieren. Da dies ein altbekanntes Problem ist, wähle ich einen ähnlichen Drucker aus und installiere diesen. Zwar muß ich jetzt auf Farbe verzichten, doch immerhin kann ich sogar wieder etwas ausdrucken... Ich bin soooo froh. Trotzdem - unter Windows 3.11 konnte ich farbig drucken. Das fehlt mir jetzt irgendwie. Wozu hatte ich extra einen Farbdrucker angeschafft???
Alsbald stelle ich fest, daß mein Scanner nicht vorhanden ist. Frohen Mutes gehe ich an die Neuinstallation meiner Scan-Software. Alles läuft perfekt.

Nach der Installation meines Scanners stelle ich fest, daß mein Scanner immer noch nicht verfügbar ist. Umherrätselnd versuche ich mehrmals erneut, meinen Scanner zu installieren. Bald kann ich meine ehemalige Scan-Software starten, jedoch nur ganz kurz: Abrupt reißt mich eine Fehlermeldung in die Wirklichkeit zurück: "Scanner not detected."

Ich erinnere mich vage, daß mein Scanner ein SCSI-Gerät ist, das auf das Laden oder Nicht-Laden des ASPI-Treibers für meinen SCSI-Controller empfindlich reagiert, und stelle das Problem erst einmal zurück. Da ich das Frühstück vergessen hatte und da es draußen schon bald wieder dunkel wird, lasse ich mir die dritte Pizza seit Beginn der Windows95-Installation bringen. Hat Microsoft vielleicht einen Geheimvertrag mit PizzaService 123 geschlossen? "Jeder Versuch, Win95 zu installieren, zwingt Ihre Kunden zum Bestellen von durchschnittlich drei Pizzas. Also müssen Sie als Gegenleistung nach jeder dritten Pizza ein Windows95-Beta zu unseren Sonder-OEM-Pizzaservice-DV-Rabattsystembedingungen kaufen." Aber nein - hätte der Pizzadienst nur ein einziges Windows95 gekauft, dann hätte er ja seit drei Tagen keine Pizzas mehr liefern können, weil der Pizzakoch seit drei Tagen Windows95 auf seinem Ofen installiert. Oder auf seinem PC.

Nächstens installiere ich meine Software für die ISDN-Karte, auf die ich ganz stolz bin. Alles läuft perfekt. Nur gelegentlich stören Meldungen wie "...hat einen Speicherschutzfehler verursacht..." oder ein leeres Fenster mit den zwei Möglichkeiten "Schließen" oder "Ignorieren", nach deren Auswahl zwingend eine weitere Auswahlmöglichkeit namens "Schließen" folgt, die letztendlich immer auf eine abschließende "Speicherschutzverletzung"hinausführt und den Bildschirm schwärzt.

Kurze Zeit später und mehrere Neu-Boot-Vorgänge später stelle ich fest, daß meine ISDN-Karte nicht ansprechbar bleibt.
Scanner nicht vorhanden, Drucker druckt nicht farbig, ISDN-Karte nicht erkannt, alles sooooo langsam - wozu habe ich das neue Windows95 installiert??? Alpträume lassen grüßen...

Ich erinnere mich an mein Erlebnis mit dem ASCIC-Computer ;-)
Sofort stelle ich meine Taktik um, streiche das tolle Windows95 aus meinen Gedanken, partitioniere und formatiere meine Festplatte neu und installiere mein ehemaliges DOS und Windows 3.11 neu, danach alle Treiber und Software und bin wieder glücklich, als nach vielen Stunden alles wie vorher funktioniert...

Die Windows95-CD werfe ich genußvoll aus dem Fenster...
Doch schon wenige Minuten später juckt es mich bei dem Gedanken, daß ich mit meinem alten Windows 3.11 niemanden mehr beeindrucken kann. Ich gehe hinaus in den Garten meiner Nachbarn und suche die CD, finde sie, reinige sie und lege sie ins Regal. Dort kann sie wenigstens keinen Schaden anrichten.

Einige Zeit später...
Ich habe erneut viele Wochendenden damit verbracht, Windows95 auf meinem PC zu installieren... Mehr als ein funktionierendes Win95 ohne alle bisherigen Treiber und Geräte brachte ich jedoch nie zustande... Ich überlegte übrigens mittlerweile, OS/2 als neues Betreibssystem zu testen - doch nach einigen Installationsversuchen mit vielen schwarzen Bildschirmen gab ich dieses Vorhaben schnellstens wieder auf...

Bald fasse ich den Entschluß, meinen PC einzumotten und einen zeitgemäßen Pentium mit 150 MHz, 32MB RAM, 2GB Harddisk und so weiter einzukaufen - und einem genialen Einfall zufolge - mit bereits fertig installiertem Windows95. Außerdem stelle ich die Bedingung, daß mein Riesenbildschirm mit ordentlich hoher Auflösung integriert werden muß, daß mein Scanner und die ISDN-Karte korrekt installiert sein muß und daß mein Drucker farbig und schwarz/weiß drucken können muß, sonst nehme ich den neuen PC nicht an. Soll sich doch mein Händler darum kümmern - der hat mehr Ahnung als ich.

Mein Hardware-Händler-Profi wirft mich zur Tür hinaus. Lieber verzichtet er auf das Geschäft, als Windows95 unter der Bedingung zu installieren, daß alles funktionieren muß.
Reuevoll komme ich am nächsten Tag zurück und verlange kleinlaut, daß nichts funktionieren muß, aber er solle es doch wenigstens versuchen...

Spontan erhellt sich sein Gesichtsausdruck. Er verkauft mir flugs einen neuen PC, installiert Windows95, steckt meine alten Steckkarten in ein paar freie Slots und liefert mir den Rechner aus. Mit dem Kommentar, alles was nicht funktioniere, solle ich doch gegen neue Plug-and-Play-kompatible Geräte austauschen...
Klar - hätte ich mir denken können. Ich kaufe am nächsten Tag einen neuen Scanner und eine neue ISDN-Karte, beide mit dem leuchtend auf der Umverpackung aufgedruckten "Plug and Play"-Emblem. Ich installiere fleißig die gesamte zugehörige Software, boote zwei-, drei-, viermal neu, teste, und stelle fest: "Plug and Play" - so ein Schmarrn. "Plug and Throw Away" sollte es heißen. Immerhin kann ich meinem Händler das Versprechen abringen, aktualisierte Treiber für mich zu besorgen - und weil er seit vielen Jahren mein guter Freund geworden ist, erledigt er das sogar für mich.

Neben den neuen Treibern besorgt er für mich eine ganz spezielle CD mit den neuesten Bug-Fixes und Updates für die Beta-Win95-Version... Ich stelle fest, daß ich mit der Installation aller darauf enthaltenen Bugfixes und Updates und neuen, seltsamen Programmteilen wohl Wochen verbringen muß... Also warte ich gleich die letzten paar Wochen bis zur Marktreife ab und kaufe danach die erste freigegebene Vollversion von Windows95. Ich denke, daß nach der Beta-Testphase doch sicherlich die Probleme behoben sein könnten...

Wer alles bisher aufmerksam gelesen hat und trotzdem vermutet, daß mit der freigegebenen Vollversion alle meine Probleme gelöst sind, der ist zwar absolut total unglaublich "daneben", hat aber überraschenderweise Recht...

Ich hatte niemals in meinem kurze Leben daran geglaubt, daß alle meine neuen Geräte unter einer von mir selbst vorgenommenen Win95-Installation korrekt arbeiten können. Niemals!
Doch das Unglaubhafte, Unmögliche, Undenkbare tritt ein - mein PC funktioniert, obwohl ich Windows95 darauf installiert habe. Und dies trotz aller Plug-and-Play-Scanner, Softwarepakete, Drucker und ISDN-Karten... Ich bin auf einmal so lebensfroh, daß ich Abends zum Tanzen gehe und meine Freundin verwöhne.
Dies fällt mir nicht einmal schwer - denn mein PC ist nun so abartig langsam geworden, daß ich keine Lust mehr habe, damit zu arbeiten. Gerade jetzt, wo alles funktioniert... Warum also noch endlose Installationsroutinen abwarten und zigarettenschachtellang versuchen, irgendwelche Geräte zum Laufen zu bringen...?

Freudig erstelle ich eines abends einen lustigen Artikel für eine Fachzeitschrift, in dem ich meine besten Tricks, Tips und die neuen Zeiteinheiten "eine Zigarettenlänge" und "eine Zigarettenschachtellänge" in Verbindung mit Windows95 zynisch verarbeite. Die Arbeit ist beinahe beendet, die Formulierungen sind ideal getroffen, viele Stunden Arbeit sind vergangen. Ich klicke auf das winzige Diskettensymbol, um meinen Text zu speichern. Doch nichts passiert.

Habe ich danebengeklickt? Ich klicke nochmal...
Mein Bildschirm überfällt mich mit einem grellen Blau, in dessen Mitte ein paar Textzeilen mitteilen, daß mein System entweder ausgelastet oder instabil ist. Ich könne Windows beenden, oder zurückkehren, um zu warten.

Da mich der Hinweis abschreckt, daß alle meine nicht gespeicherten Daten, sprich meine geliebten 1000 Textzeilen, verloren sein könnten, wenn ich Windows95 jetzt beenden würde, wähle ich letztere Möglichkeit.

Meine Auswahl bewirkt, daß ich sogleich warte, bis mein System nicht mehr so ausgelastet sein würde. Nach einigen Zigarettenlängen warte ich noch immer. Der Bildschirm bleibt so blau, wie er war.

Ich schalte den Bildschirm ab und gehe schlafen - von Alpträumen werde ich gequält... Mein Artikel ist doch soooo wichtig! Am nächsten Morgen schalte ich den Bildschirm wieder ein. Ich habe Hoffnung, daß mein System sich über Nacht vielleicht erholt haben könnte.

Doch das Blau ist am Morgen so blau wie am Abend zuvor. Nichts als die Möglichkeit, Windows zu beenden oder weiter zu warten...
Ich gehe zur Arbeit, bin den ganzen Tag unkonzentriert, mache Fehler wie noch nie... Einzig der Gedanke beschäftigt mich, wo mein geliebter wichtiger Artikel im Speicher meines Computers noch irgendwie zu retten sein könnte...

Unzählige Anrufe bei meinem Hardware-Händler-Profi erhärten meinen Verdacht: Weiteres Warten ist zwecklos. Windows beenden bringt übrigens auch nichts. Genausogut kann ich sogleich den Reset-Taster drücken...

Ich schwöre, in Zukunft nach jedem einzelnen Wort, das ich eintippe, sogleich meinen Text zu speichern. Dann überwinde ich mich mit dem gleichen Gefühl wie bei einer bevorstehenden Selbst-Kastration, den Reset-Taster zu drücken...
Zummm - der Bildschirm wird schwarz. Mein Artikel ist für immer hinweg. Der Bildschirm ist schwarz, bleibt schwarz, bleibt auch nach längerem Warten schwarz wie die Nacht, die mich umgibt.
Ich schalte den Computer aus, warte eine Minute, schalte wieder ein. Das BIOS meldet sich, danach wird der Bildschirm wieder schwarz.

Waaaaaaaaaaaaaah - ich springe auf, tobe, renne umher, knalle mit dem Hirn gegen die Tür, falle über meinen neuen Aktenkoffer, lasse mich von dem neuen MSN-Netz auffangen, werfe alles in den unlöschbaren elektronischen Papierkorb, partitioniere und formatiere die Festplatte neu, installiere geübt DOS und mein CD-Laufwerk neu und starte Setup.........

Wenige Tage nach der Neuinstallation von Windows95 kann ich mit einigen meiner Geräte wieder arbeiten, sogar meine Briefe und Faxe kann ich wieder in Rot ausdrucken oder per eMail versenden. Scannen, Faxen sowie korrekt Ausdrucken jedoch muß ich vorerst aus meinen Plänen streichen.

An meiner Wand hängt jetzt ein Zettel mit der Aufschrift: "Hasse Win95. Alles sofort speichern. Mehrmals, auch auf Disketten! Sonst Alpträume!"

In der folgenden Nacht habe ich einen wunderbaren Traum. Ich kann schreiben, speichern, schwarz/weiß und farbig drucken, scannen, faxen, kann ins Internet, kann ein Spiel spielen, habe ein Netzwerk, empfange eMails am laufenden Band, kann mein Konto führen, kann einfach arbeiten, wie ich will...

Nix da - beim näxten Einschalten meldet sich Windows95 mit "Abgesicherter Modus" - kurz, nix geht, irgendwas stimmt nicht. Alle Symbole auf der Arbeitsoberfläche sind durcheinandergewürfelt, keins davon funktioniert mehr richtig. Neu booten hilft auch nicht.

Verzweifelt gehe ich abends mit meiner Freundin aus, versuche, jeden Gedanken an Windows95 zu verdrängen...
Ich erwäge ernsthaft, meinen Computer zu verkaufen.
Ich möchte ein neues Leben beginnen - irgendwo in der Sahara, weitab von jedem Stromanschluß. Sandkörner zählen, Felsen analysieren.

An der nächsten Oase gibt es nur Wasser, sonst nichts...
Die Hitze tötet jeden Gedanken und jeden Alptraum wegen Win95...
Vielleicht hilft die Raumfahrt weiter? Ein Leben auf der Kolonie auf dem Mars?

Doch dort ist alles sicherlich mit Computern gesteuert. Gebe ich "Kaffee und Zigarette" ein, dann blinkt sicherlich die Caps-Lock-Taste und der Bildschirm meldet weiß auf unbehebbarem Blau, daß nunmehr das Überlebenssystem auf Windows95 wartet. Bitte nicht atmen, Luft anhalten... Betätigen der Reset-Taste bewirkt sofortiges Beamen zurück auf die Erde. Dort ist auf allen Computern Windows95 installiert - wenn der Empfänger-Bildschirm blau, grün, gelb,weiß, rot oder schwarz ist, wird ein Ankommen nicht garantiert. Vielleicht wird der Bildschirm auch während des Beamens blau, grün, gelb,weiß, rot oder schwarz - dann ist ein Ankommen ebenfalls nicht garantiert...

Endlich bin ich geheilt - ich lösche die Zigarette zischend im Weinglas... Danach schenke ich mir einen neuen Schluck Wein in den Aschenbecher ein - Windows95 hätte dies sicherlich auch so gemacht. Mit violettem Bildschirm...
Dann gehe ich schlafen und kehre mich endgültig von allen Computern dieser Welt ab...

Ich will vorher noch mein allabendliches Coputerspiel starten - doch der giftblaue Bildschirm mit der Möglichkeit, zu warten oder der alternativen Auswahlmöglichkeit, Windows95 neu zu installieren, zwingt mich zum endgültigen Ziehen des Netzsteckers, damit auf keinen Fall weiteres Unheil verbreitet wird...

Am nächsten Tag überwinde ich meinen neu erworbenes Computer-Haß-Trauma erneut, und ich lösche alle Partitionen, installiere DOS, installiere meinen CD-ROM-Treiber in geübter Weise, installiere Windows95 neu, überwinde alle schwarzen, blauen oder flimmernden Bildschirme und nehme meine neue Hardware so gut es geht in Betrieb. Zwar klappt das nicht so ganz, und ich muß auf einige der Geräte, nein, eigentlich alle Geräte vorerst verzichten - doch ich habe mittlerweile ganz neue Anforderungen an meine Computeranlage gestellt. Ich will nämlich meinen Computer ab sofort an ein kleines Netzwerk anschließen, in dem auch mein guter, alter 386 als Printserver seine Dienste tun soll...

Also vergesse ich zunächst alle Probleme, stecke meine Netzwerkkarten ein und suche verzweifelt nach den richtigen Netzwerkeinstellungsparametern in der Systemsteuerung auf beiden PCs. Mein neuer Pentium erkennt alsbald zwangsweise die neue NE2000-Karte und ich kann problemlos das NetBEUI-Protokoll darauf binden, das mir ein leicht zu verstehendes Peer-to-Peer-Netzwerk in Aussicht stellt.
Nach vielmaligem neu-Booten habe ich sogar die richtigen Port- und Interrupt-Einstellungen herausgefunden, die meine Netzwerkkarte funktionsfähig machen...
Mein 386 ist derweil noch immer damit beschäftigt, die Systemsteuerung zu starten. Als dieser Vorgang vollendet ist, richte ich meine neue Netzwerkkarte auch auf diesem PC korrekt ein - ich ignoriere währenddessen den Wechsel von Dunkelheit und Sonnenschein, der draußen vor sich abläuft...
Ein Anruf bei meiner Freundin beunruhigt mich - sie sagt, die Beziehung wäre beendet, weil sie keine Lust mehr habe, nächtelang mit meiner ISDN-Karte zu telefonieren... Ich ignoriere dies vorerst genauso, wie ich den schwarzen Bildschirm meines Pentium mittlerweile ignoriere.

Ich denke kurz an die schönen, alten Zeiten zurück, als ich noch einen richtig funktionierenden 386 mit Windows 3.11 besaß... Ein wirklich wohltuender Gedanke. Oft hat alles funktioniert - nur gelegentlich erschien eine Speicher-Schutzverletzung oder etwas Ähnliches... Außerdem hatte ich eine Freundin.

Jetzt erscheint fast immer eine Speicher-Schutzverletzung auf beiden PCs, gefolgt von zwei hartnäckig geschwärzten Bildschirmen, und nichts mehr funktioniert richtig. Und ich habe keine Freundin mehr. Schlafmangel raubt mir den Lebensgeist... Zigaretten sind schon wieder alle...

Irgendwann - ich weiß nicht mehr, wann und warum - lassen sich beide PCs trotz Netzwerkkarte ohne Fehlermeldungen booten.
Leider, leider, leider - keiner von beiden akzeptiert den anderen PC im Netzwerk. Ich kann mit dem neuen Dateimanager kein Netzlaufwerk verbinden. Ich habe alle Laufwerke freigegeben, ebenso alle Drucker. Trotzdem findet keiner nichts vom anderen.
Ich nehme bei meinem Arbeitgeber auf unbestimmte Zeit Urlaub und versuche in endlosen Testreihen, untermalt von unzähligen parallelisierten Neu-Boot-Vorgängen beider PCs, eine Netzwerkverbindung zu establishen.

Millionen von fremden Abkürzungen und Wörten lerne ich kennen - Domäne, TCPIP, IRQ, Request, Frame Type, Protocol und Glennfiddich...

Sogar Englisch lerne ich gezwungenermaßen, weil ich sonst die vielen Handbücher nicht lesen kann.
Doch eine Verbindung zwischen beiden PCs bringe ich nicht zustande.

Ein Auftrag, eine Dokumentation zu verfassen, dringt zu mir vor. Ich überlege, mit welchem PC ich diesen Auftrag bearbeiten könnte. Mit dem neuen oder mit dem alten? Auf beiden ist mittlerweile Windows95 installiert - das bedeutet, daß keiner von beiden sich booten läßt, geschweige denn Word starten kann.
Doch endlich wieder ein Auftrag - der muß unbedingt bearbeitet werden! Spontan kaufe ich einen neuen Pentium von einem Versandhaus, das mir einen vernünftigen Preis und schnelle Lieferung verspricht. Meine beiden PPCs (PPC = Problem-Power-Computer) mit Windows95 stelle ich ins Gartenhaus. Dort ist wenigstens kein Stromanschluß...

Nun ja - der Versandhaus-PC trifft nach wenigen Wochen ein. Ich schließe ihn an die Steckdose an und schalte ihn ein. Alsbald meldet sich Windows95, danach ein geschwärzter Bildschirm...
Schon seit Monaten hat mich der Wahnsinn gepackt, doch nun tobe ich in noch nie erlebter Weise, zerhacke den neuen Windows95-PC mit der Handkante, esse meine Maus auf, binde mir das Netzwerkkabel um den Hals, springe versehentlich aus dem Fenster des ersten Stocks, komme ins Krankenhaus, danach in die Psychiatrie, und der Auftrag ist für immer verloren...

PS: Dies ist der aktuelle Stand des Artikels. Entstanden zu Zeiten, als mein Arbeitgeber mir noch die Möglichkeit gab, abends auf seinen PCs unter Windows 3.11 meine Texte zu verfassen. Leider hat auch mein Nachbar mittlerweile seinen PC auf Windows95 upgedatet. Seitdem kann ich diesen Text nirgendwo weiter fortführen, auch der Verbindungsaufbau mit dem Internet klappt nicht mehr.

Vielleicht folgt eine Fortsetzung, sobald ich auf LINUX umgestiegen bin. Doch erstmal muß ich meine kleinen Probleme mit Windows95 beheben... Eigentlich schade - könnte ich doch meine Erfahrungsberichte mit Windows95 endlos fortsetzen...

(c) Andy Weisel 1997